Attachmate Corporation übernimmt Novell. Was bedeutet das für das openSUSE-Projekt?

In der openSUSE-Mailingliste wie auch in den Foren wird darüber schon diskutiert. Einige openSUSE-User haben mich gefragt, wie es nach der Übernahme von Novell weitergeht. Man fragt sich zurecht, ob es irgendwelche Auswirkungen auf openSUSE hat. Ich will hierzu Aufklärungsarbeit leisten und die offiziellen Pressemeldungen von Attachmate und die daraus resultierenden Folgen einfach und verständlich darlegen.

In der 1. Pressemeldung von Attachmate übernimmt Attachmate die Firma Novell für 2,2 Milliarden Dollar und hält weiter an Novell und SUSE fest. Es werden jedoch die Patente (man spricht vom geistigen Eigentum in bestimmten Teilen der Linux-Software, hierzu später mehr) im Wert von 450 Millionen Dollar an ein Konsortium names CPTN Holdings, in der Microsoft maßgeblich vertreten ist, abgetreten. Jedoch ist man in dieser Pressemeldung noch nicht auf das openSUSE-Projekt eingegangen, um auf die Frage des weiteren Verlauf des openSUSE-Projektes zu beantworten.

In der 2. Pressemeldung von Attachmate gibt die Firma eine Erklärung zum openSUSE-Projekt ab. Zitat: „Das openSUSE-Projekt ist ein wichtiger Bestandteil des SUSE-Geschäft. Wie in der heute bekannt gegebenen Vereinbarung plant Attachmate nach Abschluß der Übernahme SUSE als einen eigenständigen Geschäftsbereich zu betreiben. Wenn diese Transaktion abgeschlossen wurde, rechnet Attachmate Corporation damit, dass nach der abgeschlossenen Transaktion die Beziehung zwischen dem SUSE-Geschäft und dem openSUSE-Projekt sich nicht ändert.“

Was bedeutet das jetzt konkret?

Die Geschäftsbereiche SUSE und Novell werden aufgeteilt. SUSE wird (wieder) zu einer eigenständigen Firma, dass sich ausschließlich auf das Linux-Betriebssystem (SLED und SLES) konzentriert bzw. vertreibt. Die neue (alte) Firma SUSE wird das openSUSE-Projekt (wie bisher auch von Novell) unterstützen. Also bleibt alles beim Alten. Neu ist nur der Name der Firma. :-)

Bei dem Novell/Microsoft-Deal vor 4 Jahren sieht die Sache hier wieder anders aus. Sobald die Übernahme abgeschlossen wurde, ist der Deal zwischen Novell und Microsoft hinfällig. Bei dem Deal ging es darum, dass mögliche Patentverletzungen geduldet werden, um die Interoperabilität zwischen Windows und Linux zu verbessern und so beide Seiten von einer Patentklage absehen. Im Allgemeinen kann es passieren, dass die Unterstützung zu Windows-Systemen in bestimmten Bereichen von Linux komplett oder teilweise wegfallen wird. Ich bin mir sicher, dass es nur bestimmte closed-source Enterprise-Produkte von Novell betreffen. Dazu gehört z.B. das Konvertierungstool in OpenOffice, Anpassungen an der Virtualisierung und Novell eDirectory, dass mit Microsoft AD (Active Directory) zusammenarbeitet. Beide Firmen haben an der Software gearbeitet, um eben die Interoperabilität zwischen den beiden Betriebssystemen zu verbessern. Somit geht das geistige Eigentum (was auch die Patente einschließt) einige Teile der mitentwickelten Software nun auf Microsoft bzw. dessen Konsortium über. Ich bin der Meinung, dass openSUSE davon nicht betroffen ist, sondern viel mehr die Komponenten für SLED und SLES. ;-)

Das einzige Feld, das noch nicht abschließend geklärt wurde, was nun mit der Firma open-slx GmbH geschieht. Die Firma open-slx GmbH hat mit Novell eine Vereinbarung getroffen, den Vertrieb der openSUSE-Box einschließlich 90-Tage-Installationssupport für Privatkunden zu übernehmen. Wird das Geschäftsfeld der openSUSE-Box wieder in die neue SUSE-Firma aufgenommen (was die Schließung der Firma open-slx GmbH zur Folge haben wird) oder verbleibt das Geschäftsfeld weiterhin bei der open-slx GmbH?

Letztendlich muss nur noch die Kartellbehörde in der USA die Übernahme von Novell zustimmen. Sobald diese Hürde geschafft ist, gehört die Firma Novell endgültig Attachmate.

In diesem Sinne können wir nur abwarten und Tee trinken. :-)

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5 Kommentare

  1. Roman Buchta
    Am 23. November 2010 um 09:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Tja, openSUSE ist und bleibt mein Favorit in der Linuxwelt. Aber nur mal angenommen das Projekt kommt mit der Übernahme unter die Räder – für welche Distribution sollte ich mich entscheiden?
    All das Wissen, das man sich angeeignet hat, ist nur bedingt in so mancher anderer Distri. anzuwenden.

    Wie du sagst, abwarten und Tee trinken (und Live-CD testen)

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    • Am 23. November 2010 um 10:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hallo Roman,

      openSUSE ist auch mein Favorit. Andere Systeme haben auch ihre Vor- und Nachteil. Bei openSUSE finde ich ein total gut aufgeräumtes Programm-Menü vor, dass bisher keine Distribution erreicht. Solange es openSUSE gibt, kommt für mich ein Wechsel nicht in Frage. Aber andere Distributionen teste ich in der VirtualBox, um zu sehen wie weit sie sind und was umgesetzt wurde. ;-)

      Gruß

      Sebastian

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      • Lisufa
        Am 23. November 2010 um 11:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Hallo zusammen,

        ich verwende openSUSE schon seit etlichen Jahren, als einziges alleiniges OS …. kein Windows mehr, und darauf bin ich stolz! Ich hoffe das mit der Übernahme/Kauf, oder wie immer man das nennen möchte, sich für das openSUSE Projekt nichts zu negativen ändert. Im Gegenteil, vielleicht wird es sogar besser …. man kann es sich nur wünschen und hoffen das die neue Firma da den Ankündigungen auch Taten folgen lässt. Was open-slx GmbH angeht, so bestehen Verträglich Vereinbarungen mit Novell und open-slx GmbH die mit dem kauf von Novell als bestehende Verträge mit übernommen werden sollten. Was dann der neue Besitzer daraus macht, steht auf einem anderen Blatt. Ich bin kein Anwalt oder Rechtsexperte, aber vorstellbar dürfte auch hier vieles sein. Vielleicht macht der SuSE wenn eigenständig das wieder selbst, wer weiß …. die werden sich schon einige werden.

        Interessanter dürfte für das ganze werden was die von M$ gekauften Patente enthalten. Da wird man sehen müssen was da letztlich der Öffentlichkeit verkauft wird, entweder positive Infos als Beruhigungspille … oder die Streiten wieder vor Gericht.

        Abschließend bleibt nur eines, abwarten was passiert und mit den Konsequenzen umgehen. Wird das openSUSE Projekt unterstützt wie versprochen, ändert sich für „uns“ Anwender nicht viel. Ist dem nicht so, bleibt immer noch das schon leicht „aufgestuppste Fenster“ der Gründung einer openSUSE Foundation. Hilft das alles nix und die „Schwarzmaler & Unkenrufer“ bekommen ihre „Visionen“ erfüllt (ich glaube zwar nicht an Gott oder ähnliches, aber der Herr möge das verhindern ;) ), steigen wir eben auf eine andere Distribution um, es gibt ja genug … auch welche die meinen Desktop Favoriten -KDE- verwenden.

        In diesem Sinne, warten wir ab und Trinken Kaffee ….

        Die SuS(i)E samt KDE sei mit euch, wo immer ihr seid …. ;)

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        • Am 24. November 2010 um 23:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Hallo Lisufa,

          zur open-slx GmbH:
          Wenn du da mal nicht täuschst. Sobald Novell aufgespalten wird, hat Novell rein gar nichts mehr mit openSUSE, SLED, SLES zu tun. Also wird somit auch die vertragliche Vereinbarung aufgelöst und bei der neuen SUSE-Firma muss es neu abgeschlossen werden.

          Bei den Patenten sehe ich es nicht so eng, weil es kaum openSUSE treffen wird, weil openSUSE von vorne herein gar keinen proprietären Code angeboten wird und besteht nur aus offenen Lizenzen. Damit kann openSUSE mit Debian auf einer Stufe stellen. Frei ist eben frei. Wer proprietäre Sachen haben möchte, kann diese nachinstallieren. So einfach ist das.

          Ja, die openSUSE Foundation wäre eine ziemlich unabhängigere Sache. Kann ich zwar befürworten, aber wie so oft liegt es daran, wie man an ausreichenden Spendengelder für die Erhaltung sämtlicher Plattformen herankommt. Schau dir mal Wikipedia an, das geht schon in die Millionen. Ich möchte nicht wissen, wieviel das openSUSE-Projekt, ohne unsere freiwillige Arbeit eingerechnet, wirklich kostet.

          Umsteigen auf eine andere Distribution?! Tut mir leid, aber ich kann nur an einer Hand abzählen, welche Distro eine gute KDE-Integration vorangetrieben hat. Das ist openSUSE. Wenn es hart auf hart geht, dann wird das Ding geforkt, sowie es vor openSUSE auch schon andere getan habe. Nur openSUSE bzw. SUSE wurde bisher noch NIE geforkt und hat hier immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. ;-)

          Dann trinke du deinen Kaffee und ich meinen Tee. :-)

          Viele Grüße

          Sebastian

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          • Lisufa
            Am 25. November 2010 um 13:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Hallo Sebastian,

            mittlerweile hat sich ja die Lage etwas aufgeklärt. Was die Unterstützung durch den neuen Besitzer angeht, auch was die von der M$-Holding gekauften Patente (Unix) betrifft. Von daher wird sich das nach den ersten „Beruhigungs-Pillen (Statements)“ im laufe der nächsten Zeit zeigen, was die Zukunft u.a. auch für das openSUSE Projekt tatsächlich bringen wird. Seien wir mal optimistisch und hoffen wir das beste!

            Dennoch seien wir mal ehrlich, was wollen wir Anwender schon groß ändern …. auf uns deutsche hört „drüben übern großen Teich“ eh keiner. ;)

            Was eine openSUSE-Foundation angeht, das Thema steht ja schon länger im Raum und hat durch die derzeitigen Ereignisse nur neuen Aufwind bekommen. Solch eine Foundation hat immer zwei Seiten. Klar, man wäre in mancher Beziehung unabhängiger, andererseits wiederum von anderen Kriterien abhängig …. du nanntest ja schon einige. Alles hat zwei Seiten! Auch hier sage ich, hoffen wir das beste ;)

            Was das umsteigen auf eine andere Distribution angeht, gebe ich dir recht. Es wäre schwierig was passendes als Ersatz zu finden da KDE meiner Meinung nach bei openSUSE am besten integriert ist. Dennoch, wenn einem nichts anderes übrig bleibt würde ich eher den KDE-Unterbau gegen eine andere Linux-Distribution auch auf die Gefahr hin das bei dieser KDE nicht ganz so gut unterstützt wird austauschen, als wieder das Redmonder OS zu verwenden. Aber auch hier sage ich, hoffen wir das beste und seien wir zuversichtlich das alles (was openSUSE & die Unterstützung durch den neuen Eigentümer) beim „alten“ bleibt.

            Insgesamt gesehen werden wir die nächste Zeit genauer hin schauen bzw lesen was da so auf uns zu kommt. Und in dieser Zeit,

            werde ich Kaffee und Du Tee trinken. :)

            In diesem Sinne wünsche ich schöne, zumindest bei uns, verschneite Vorweihnachtszeit, ;)

            die „SuS(i)E“ samt KDE sei mit euch, wo immer ihr seid …. ;)

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Ein Trackback

  • Von Die Übernahme von Novell durch Attachmate ist abgeschlossen am 01. Mai 2011 um 06:42 Uhr veröffentlicht

    […] Rolle Novell und openSUSE nun spielen wird. Zu der Übernahme habe ich bereits in einem Artikel “Attachmate Corporation übernimmt Novell. Was bedeutet das für das openSUSE-Projekt?” […]